Der pädagogische Ansatz

Notwendige Bedingungen für die Entstehung und Verfestigung von Mobbing sind…

… wiederholte aggressive, erniedrigende Handlungen der Mobbenden;
… die Unterstützung oder die Passivität und das Schweigen der anderen Schüler (“Zuschauer”, „Mitläufer“, „Dulder“);
… die Passivität der Lehrer und der Institution Schule;
… die Hilflosigkeit, das Schweigen und die Isolation der Gemobbten.

 

Mobbing ist damit nicht nur ein Problem der Schüler, sondern auch der Lehrer (und Eltern) und der Institution Schule. Daher sind für uns folgende Prinzipien beim Umgang mit Mobbingkonflikten grundlegend:

1. Mobbing ist ein Problem der ganzen Klasse und sollte auch mit allen bearbeitet werden!

Mobbing als ein systematisches Fertigmachen und Erniedrigen findet immer in der sozialen Konstellation von Mobbenden, Gemobbten und Zuschauern /Mitläufern statt. Aufgrund dieser sozialen Struktur und Wirkungszusammenhänge ist es nahe liegend, Mobbing-Konflikte prinzipiell auch dort zu bearbeiten, wo sie entstanden sind: auf der Ebene von Gruppen und Klassen.

2. Mobbing ist (auch) ein Problem der Leitung!
Die Schüler kommen aus einem verfestigten Mobbingkonflikt alleine nicht heraus. Sie brauchen die Unterstützung von Lehrern und anderen Fachleuten. Ignorieren, Schweigen und die Passivität der Erwachsenen kommen einer Billigung gleich; all dieses hat eine Mobbing verstärkende Wirkung.
Demgegenüber müssen die Handlungen aller pädagogischen Fachkräfte darauf ausgerichtet sein,

  • sich selbst Strukturen zu geben, mit Hilfe derer sie Mobbing fachkundig angehen können (Fortbildungen, Kollegiale Beratung, Supervision, Elternarbeit, Zusammenarbeit mit anderen Kollegen und Fachleuten);
  • umfassende Konzepte zum Umgang mit Gewalt und Mobbing bezogen auf die konkrete Schule zu entwickeln;
  • den Mobbenden und ihren Mitläufern konsequent die Plattform zu entziehen und ihnen gewaltfreie Handlungsalternativen aufzuzeigen;
  • die unbeteiligten Zuschauern („Dulder“) zu einem verantwortlichen Handeln zu bewegen (Möglichkeiten beherzten gemeinsamen Einschreitens einüben und Vermittlung der Haltungen „Hilfeholen ist kein Petzen!“, „Wer schweigt, duldet!“);
  • die Mobbing-Opfer zu schützen, zu unterstützen, sie in ihrem Selbstwert zu bestärken und ihnen bei der Aneignung alternativer Handlungsmuster behilflich zu sein.

3. Mobbing ist dann beendet, wenn den Mobbenden die Plattform
entzogen wird!
Mobbing ist sofort dann beendet, wenn die Mobbenden mit ihren erniedrigenden Handlungen aufhören. „Schuld“ sind nicht die Gemobbten, Ursache für Mobbing ist die abwertende Zuschreibung und herabsetzende Behandlung der Mobbingopfer durch die Mobbenden. Legen bisweilen auch Gemobbte andere störende Verhaltensweisen an den Tag, so kann das – ohne zu mobben – offen angesprochen werden.
Alle Handlungen der zuschauenden Mitschüler und im Besonderen die der Lehrer müssen daher deutlich darauf abgestellt sein, die aggressiven, andere erniedrigenden Angriffen der Mobbenden zu unterbinden. Wer nichts unternimmt, unterstützt die Mobbenden, denn: „Wer schweigt, duldet!“

4. Mobbing ist ein verfestigter Konflikt als Ergebnis eines längerfristigen Prozesses!

Eine wesentliche Leitlinie beim Umgang mit Mobbing liegt daher darin, frühzeitig und deutlich einzugreifen. Auf diese Weise kann eine Verfestigung des Konfliktes mit den für alle Beteiligten verheerenden Folgen (Schulangst, schlechtere Leistungen, Verlassen der Klasse, psychosomatische Erkrankungen etc.) verhindert werden. Voraussetzung dazu ist die rechtzeitige Wahrnehmung der Anzeichen und Warnsignale von Mobbing. Mobbing ist kein Streiten auf Augenhöhe und kein „einfach nur Ärgern oder Lästern“.

5. Mobbing: Das geht die ganze Schule an!
Mobbing und Gewalt verlangen breit angelegte Programme und Konzepte auf Ebene der ganzen Schule. Hierzu zählt die Etablierung einer konstruktiven Konfliktkultur mit Angeboten wie Streitschlichtung oder Projekten zum sozialen Lernen. Fehlen Konfliktlösestrukturen und stehen verletzende, gewalttätige Aktionen als legitime Mittel der Durchsetzung von Interessen – auch unter Kollegen – an der Tagesordnung, wird sich niemals eine Atmosphäre von Sicherheit einstellen können, in der die Grenzen eines jeden gewahrt sind. Klare Regeln des Miteinanders müssen kommuniziert werden, alle Lehrer und die Schulleitung müssen konsequent Einschreiten bei Nichtbeachtung der Vereinbarungen. Wer es unterlässt, aktiv Gegenmaßnahmen bei Mobbing und Gewalt zu ergreifen, billigt sie stillschweigend.

Den Mobbenden und den Mitläufern die Plattform entziehen...
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Hilfeholen ist kein Petzen!
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Schuld sind nicht die Gemobbten.
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Jeder einzelne sollte das Recht haben, frei von Bedrängnis und wiederholter absichtlicher Erniedrigung sowohl in der Schule als auch in der Gesellschaft überhaupt zu leben. Kein Schüler dürfte Angst haben müssen, in die Schule zu gehen, aus Furcht vor Drangsal und Erniedrigung. Keine Eltern sollten sich Sorgen machen müssen, daß so etwas ihrem Kind widerfährt“
(Dan Olweus).
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